Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ – Offenbarung 21,6
Ev.-Luth. Kirchgemeinde Grimma
mit Grethen, Hohnstädt / Beiersdorf,
Döben / Höfgen und Nerchau

Frauenkirche Grimma

Wissenswertes


Name
„zu unserer lieben Frauen“, das heißt geweiht der Maria, Kurzform Frauenkirche

Baubeginn
Grimma ist um 1170 als planmäßige Marktsiedlung angelegt worden. In unmittelbarer Nähe des alten Marktes (jetzt Baderplan) wurde eine kleine Marktkirche errichtet, deren Gottesdienste vom Pfarrer zu Großbardau versehen worden sind. Es war ein bescheidener Bau aus Lehm und Holz. Auf Reste dieser im Erdreich noch vorhandenen Lehm-Mauern ist man wiederholt gestoßen.

Der älteste Teil
der jetzigen Kirche ist die bereits Ende des 12. Jahrhunderts entstandene Westturmfront. Ihr festes Mauerwerk gehört noch ganz dem rein romanischen Baustil an. Das breite Turmwerk bildet eine mit gekuppelten Rundbogenfenstern versehene Halle. Darüber erst teilt es sich in zwei einzelne Türme mit 3 Geschossen. Auch dort gekuppelte Rundbogenfenster mit unterschiedlich gemeißelten Kapitälen (Würfelkapitäle, korintisch Kapitäle usw.). – Gut zu sehen von der gegenüberliegenden Straßenseite oder der rechts liegenden Grünanlage aus! Die Höhe der Türme beträgt nach Lorenz 82 Ellen (43m).

Weitere bauliche Maßnahmen
Bis 1240 dürfte das in einem neuen, dem gotischen Baustil errichtete Schiff oder Langhaus vollendet gewesen sein, damals noch ohne Querschiff. Dieses ist wahrscheinlich erst nach dem Stadtbrand von 1430 bei einer notwendigen Teilerneuerung (wohl 1462) entstanden. Der Ursprüngliche Untergrund der ersten Kirche (Kies, toniger Lehm) lag noch im Hochwasserbereich der Mulde und wurde daher – wie auch der Kirchhof – beträchtlich aufgeschüttet (etwa 1,50m). Bauliche Änderungen 1837, 1888 und 1928.

Die Kirche
ist eine aus Rochlitzer Stein aufgeführte dreischiffige Pfeiler – Basilika mit Querschiff, rechtwinklig geschlossenem Hauptchor im Osten (Altarraum) und zwei halbkreisförmigen Apsiden (Nischen), dazu der breiten Westvorhalle mit Türmen. Das Schiff ist für flache Decke angelegt und wohl erst beim Umbau 1462 eingewölbt worden. Die mit Sockel und „Kämpfern“ (=Bodenunterlage) versehenen Pfeiler tragen spitze Bogen. Die zu dreien gekuppelten schlanken Fenster des Altarraumes finden sich in gleicher Weise im Ostgebiet der Klosterkirche wieder.


Der Altar
trägt einen um 1510 entstandenen Flügelschrein der Spätgotik, der 1837 entfernt, jedoch 1924 wieder hier aufgestellt wurde. Dieser bedeutende Schnitzaltar wird dem „Meister des Knauthainer Altars“ zugeschrieben

Altarbildwerke
Unterteil (Predella): Der Engel verkündet der knienden Maria die Geburt Jesu.
Mittelschrein: Christgeburt. Das Kind auf Leinen, 2 Engel beugen sich darüber. Maria betend. Josef naht mit der Laterne und schützt die Augen vor dem Lichte. Rind und Esel im Stall von Bethlehem. Auf Goldgrund Landschaft mit Hirten und Herden.
Linker Flügel: Maria bei Elisabeth (Mutter Johannes des Täufers)
Rechter Flügel: Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande.
Außenseiten des in der Passionszeit geschlossenen Altars:
Gemalte Bildwerke: HI. Georg, hl. Christophorus, in der Mitte: Flucht nach Ägypten, Kindermord zu Bethlehem.
(Also ganz und gar ein Weihnachts-Altar; auch die Passionsbilder sind der Weihnachtsgeschichte entnommen.) Diese Bilder denen der Einfluß Cranach`scher Schule zugeschrieben wird, sollen zwischen 1520 und 1530 entstanden sein.

Altar-Kruzifix
Barock-Plastik (1729)


Taufstein
Dieser stand früher in der Nikolaikirche. Er ist in den ruhigen und standfesten Formen des Renaissance-Stils 1598 angefertigt worden. Inschrift gut lesbar. 1943 wurde er in der Frauenkirche aufgestellt, deren ehemaliger Taufstein in die Klosterkirche kam und jetzt in der Kirche zu Colditz steht

Taufbecken
aus Messing getrieben, 15. Jahrhundert. Adam und Eva, Schlange, Pforte des Paradieses, Getriebene Ranken. Inschrift in gotischen Buchstaben, vermutlich „Maria hilf“.

Die Kanzel
ist erst im 19. Jahrhundert in neugotischer Weise entstanden: in der Mitte Jesu, zu beiden Seiten die 4 Evangelisten.


Holzplastiken
am Altarraum links Paulus, rechts Petrus, im Schiff links Maria mit dem Kinde. Diese Figuren befanden sich bis 1888 auf dem jetzt in der Friedhofskirche aufgestellten Altar der alten Nikolaikirche. Ausgezeichnete Holzbildnerkunst von 1519. Der gleichen Zeit zuzurechnen ist wohl der lebensgroße Christus am Kreuz, jetzt im nördlichen Seitenschiff.

Fenster-Bilder
Die Glasmalerei der Fenster ist ein Werk des ausgehenden 19. Jahrhunderts nach dem damaligen Stil-Empfinden:

Hauptfenster rechts: Jesus als guter Hirte (mit Dornenkrone)
Seitenbilder:
a) Cherub mit Flammenschwert als Zeichen des Gesetzes (darunter Tod, Schädel, Schlange, Dornen, verstörte sich stoßende Schafe)
b) Engel des Friedens als Zeichen des Evangeliums, ruhig lagernde Schafe.
Hauptfenster links: Luther sagt: „Willst Du Gott und die Ewigkeit malen, so mußt ein großes Feuer malen“. Aus der Welt der Verklärung tritt der Verherrlichte heraus, um sich beim Altarsakrament den seine mitzuteilen, Brot und Wein in den Händen.
Nischen: links: Moses und Johannes der Täufer, letzter Prophet des Alten Bundes.
rechts: (nach Dürer) Johannes als Jünger der Liebe, rotes Gewand; Markus. Also das Neue Testament.


Die Orgel
Von Firma Eule, Bautzen erbaut 1928, erneuert 1974, hat ca. 30 Register, verteilt auf 2 Manuale und Pedal. Spiel- und Registertraktur sind pneumatisch.

Die Glocken
Das Geläut bestand ursprünglich aus 3 Bronzeglocken: der großen von 1453, Ton „d“, der mittleren von 1463, Ton „g“, und der kleinen von 1400. Die kleine Glocke wurde im Jahre 1940 verkauft und durch eine neue, in Apolda gegossene Glocke ersetzt. Im Jahre 1942 mußte diese aus Anlaß des Krieges abgegeben werden. Sie blieb der Gemeinde verloren. Seit 1997 gibt es wieder eine neue dritte Glocke.

Geschichtliche Notizen
Der Plan, die Frauenkirche abzutragen und die Steine zum Bau einer neuen Muldenbrücke zu verwenden (1535) wurde durch Luthers Freund Spalatin gerade noch vereitelt. Man scheute damals die kostspieligen Instandsetzungsarbeiten und wollte sich mit der ja noch vorhandenen Klosterkirche und der Nikolaikirche begnügen.
Das Gelände um die Frauenkirche war der Gemeinde-Friedhof für die Oberstadt, bis 1542 vor dem Pappischen Tor ein neuer Friedhof angelegt wurde. Die innerstädtische Friedhofsmauer wurde 1799 abgetragen.

Bilder


Öffnungszeiten

Ab 1. Dezember 2017

Mo: Geschlossen
Di – Fr: 10.30 – 11.30 Uhr und 14.30 bis 15.30 Uhr
Sa + So: 10.30 – 12.30 Uhr und 14.30 bis 16.30 Uhr

Ab Januar 2018

Bis Ostern geschlossen.