Wissenswertes zur Frauenkirche Grimma
Name
"zu unserer lieben Frauen", das heißt geweiht der Maria, Kurzform
Frauenkirche
Baubeginn
Grimma ist um 1170 als planmäßige Marktsiedlung angelegt worden. In
unmittelbarer Nähe des alten Marktes (jetzt Baderplan) wurde eine kleine
Marktkirche errichtet, deren Gottesdienste vom Pfarrer zu Großbardau versehen
worden sind. Es war ein bescheidener Bau aus Lehm und Holz. Auf Reste dieser im
Erdreich noch vorhandenen Lehm-Mauern ist man wiederholt gestoßen.
Der älteste Teil
der jetzigen Kirche ist die bereits Ende des 12. Jahrhunderts entstandene
Westturmfront. Ihr festes Mauerwerk gehört noch ganz dem rein romanischen
Baustil an. Das breite Turmwerk bildet eine mit gekuppelten Rundbogenfenstern
versehene Halle. Darüber erst teilt es sich in zwei einzelne Türme mit 3
Geschossen. Auch dort gekuppelte Rundbogenfenster mit unterschiedlich
gemeißelten Kapitälen (Würfelkapitäle, korintisch Kapitäle usw.). - Gut zu sehen
von der gegenüberliegenden Straßenseite oder der rechts liegenden Grünanlage
aus! Die Höhe der Türme beträgt nach Lorenz 82 Ellen (43m).
Weitere Bauliche Maßnahmen:
Bis 1240 dürfte das in einem neuen, dem gotischen Baustil errichtete
Schiff oder Langhaus vollendet gewesen sein, damals noch ohne Querschiff.
Dieses ist wahrscheinlich erst nach dem Stadtbrand von 1430 bei einer
notwendigen Teilerneuerung (wohl 1462) entstanden. Der Ursprüngliche Untergrund
der ersten Kirche (Kies, toniger Lehm) lag noch im Hochwasserbereich der Mulde
und wurde daher – wie auch der Kirchhof – beträchtlich aufgeschüttet (etwa
1,50m). Bauliche Änderungen 1837, 1888 und 1928.
Die Kirche
ist eine aus Rochlitzer Stein aufgeführte dreischiffige Pfeiler – Basilika
mit Querschiff, rechtwinklig geschlossenem Hauptchor im Osten (Altarraum) und
zwei halbkreisförmigen Apsiden (Nischen), dazu der breiten Westvorhalle mit
Türmen.
Das Schiff ist für flache Decke angelegt und wohl erst beim Umbau
1462 eingewölbt worden. Die mit Sockel und "Kämpfern" (=Bodenunterlage)
versehenen Pfeiler tragen spitze Bogen. Die zu dreien gekuppelten schlanken
Fenster des Altarraumes finden sich in gleicher Weise im Ostgebiet der
Klosterkirche wieder.
Der Altar
trägt einen um 1510 entstandenen Flügelschrein der Spätgotik, der 1837
entfernt, jedoch 1924 wieder hier aufgestellt wurde. Dieser bedeutende
Schnitzaltar wird dem "Meister des Knauthainer Altars" zugeschrieben
Altarbildwerke:
Unterteil (Predella): Der Engel verkündet der knienden Maria die
Geburt Jesu.
Mittelschrein: Christgeburt. Das Kind auf Leinen, 2
Engel beugen sich darüber. Maria betend. Josef naht mit der Laterne und schützt
die Augen vor dem Lichte. Rind und Esel im Stall von Bethlehem. Auf Goldgrund
Landschaft mit Hirten und Herden.
Linker Flügel: Maria bei Elisabeth
(Mutter Johannes des Täufers)
Rechter Flügel: Anbetung der Weisen aus
dem Morgenlande.
Außenseiten des in der Passionszeit geschlossenen Altars:
Gemalte Bildwerke: HI. Georg, hl. Christophorus, in der Mitte: Flucht
nach Ägypten, Kindermord zu Bethlehem.
(Also ganz und gar ein
Weihnachts-Altar; auch die Passionsbilder sind der Weihnachtsgeschichte
entnommen.) Diese Bilder denen der Einfluß Cranach`scher Schule zugeschrieben
wird, sollen zwischen 1520 und 1530 entstanden sein.
Altar-Kruzifix:
Barock-Plastik (1729)
Taufstein:
Dieser stand früher in der Nikolaikirche. Er ist in den ruhigen und
standfesten Formen des Renaissance-Stils 1598 angefertigt worden.
Inschrift gut lesbar. 1943 wurde er in der Frauenkirche aufgestellt, deren
ehemaliger Taufstein in die Klosterkirche kam und jetzt in der Kirche zu Colditz
steht
Taufbecken: aus Messing getrieben, 15. Jahrhundert. Adam und Eva,
Schlange, Pforte des Paradieses, Getriebene Ranken. Inschrift in gotischen
Buchstaben, vermutlich "Maria hilf". Die
Kanzel
ist erst im 19. Jahrhundert in neugotischer Weise entstanden: in der Mitte
Jesu, zu beiden Seiten die 4 Evangelisten.
Holzplastiken:
am Altarraum links Paulus, rechts Petrus, im Schiff links Maria mit dem
Kinde. Diese Figuren befanden sich bis 1888 auf dem jetzt in der Friedhofskirche
aufgestellten Altar der alten Nikolaikirche. Ausgezeichnete Holzbildnerkunst von
1519. Der gleichen Zeit zuzurechnen ist wohl der lebensgroße Christus am Kreuz,
jetzt im nördlichen
Seitenschiff.
Fenster-Bilder:
Die Glasmalerei der Fenster ist ein Werk des ausgehenden 19. Jahrhunderts
nach dem damaligen Stil-Empfinden:
Hauptfenster rechts: Jesus als guter Hirte (mit Dornenkrone)
Seitenbilder:
a) Cherub mit Flammenschwert als Zeichen des Gesetzes (darunter Tod,
Schädel, Schlange, Dornen, verstörte sich stoßende Schafe)
b) Engel des
Friedens als Zeichen des Evangeliums, ruhig lagernde
Schafe.Hauptfenster links: Luther sagt: "Willst Du Gott und die
Ewigkeit malen, so mußt ein großes Feuer malen". Aus der Welt der Verklärung
tritt der Verherrlichte heraus, um sich beim Altarsakrament den seine
mitzuteilen, Brot und Wein in den Händen.
Nischen:
links: Moses und Johannes der Täufer, letzter Prophet des Alten Bundes.
rechts: (nach Dürer) Johannes als Jünger der Liebe, rotes Gewand; Markus.
Also das Neue Testament.
Die Orgel:
Von Firma Eule, Bautzen erbaut 1928, erneuert 1974, hat ca. 30 Register,
verteilt auf 2 Manuale und Pedal. Spiel- und Registertraktur sind pneumatisch.
Die Glocken:
Das Geläut bestand ursprünglich aus 3 Bronzeglocken: der großen von 1453,
Ton "d", der mittleren von 1463, Ton "g", und der kleinen von 1400. Die kleine
Glocke wurde im Jahre 1940 verkauft und durch eine neue, in Apolda gegossene
Glocke ersetzt. Im Jahre 1942 mußte diese aus Anlaß des Krieges abgegeben
werden. Sie blieb der Gemeinde verloren. Seit 1997 giebt es wieder eine neue dritte Glocke.

Geschichtliche Notizen:
Der Plan, die Frauenkirche abzutragen und die Steine zum Bau einer neuen
Muldenbrücke zu verwenden (1535) wurde durch Luthers Freund Spalatin gerade noch
vereitelt. Man scheute damals die kostspieligen Instandsetzungsarbeiten und
wollte sich mit der ja noch vorhandenen Klosterkirche und der Nikolaikirche
begnügen.
Das Gelände um die Frauenkirche war der Gemeinde-Friedhof für die
Oberstadt, bis 1542 vor dem Pappischen Tor ein neuer Friedhof angelegt wurde.
Die innerstädtische Friedhofsmauer wurde 1799 abgetragen.